Der Ursprung des Zapfenstreiches, noch an die Herkunft des Wortes erkennbar, war landsknechtshaft derb und prosaisch. Er geht auf das mittelalterliche Lagerleben zurück, wo er zur festgesetzten Abendstunden auf ein Trommelzeichen hin die Markentender den Zapfen ihrer Weinfässer "streichen" das heißt ins Spundloch eingeschlagen mussten um so den Ausschankstopp zu verhindern, das die Krieger am nächsten Morgen unausgeschlafen und verkatert ins Gefecht zogen.

Nach der Kasernierung der Armeen wurde der Zapfenstreich zum Zehn - Uhr - Abendsignal, bei dem alle Vaterlandsverteidiger in den Betten sein mussten. Der große Zapfenstreich wurde zur Zeit des Soldatenkönigs Friederich Wilhelm I. und des alten Dessauers in der preußischen Armee eingeführt und zwar als Abschluss zeremoniell markanter Feier- und Gedenktage.

Er erklang in allen preußischen Garnisonen vor allem am Königs-, später Kaisergeburtstag und in der Neujahrnacht. Zum großen Zapfenstreich, hinter der sich eigentlich zwei unterschiedliche musikalische Formen verbergen, traten oft  mehrere Regimenter an.

Schauen Sie selbst, hier der große Zapfenstreich des Allgemeinen Schützenverein Lette e.V. aus dem Jahre 2010:

Zum einen bedeutete "Großer Zapfenstreich" dass statt des Signals einzelner Militärmusiker ein feierliches Musikstück oder ein Marsch  - je nach landsmannschaftlicher Geflogenheiten - von einer oder mehreren Regimentkapellen gespielt wurde. Zum anderen verbirgt sich hinter dem "Großen Zapfenstreich" der Zyklus des Komponisten Wilhelm Wieprecht, der heute gemeinhin als das höchste Zeremoniell in der Bundeswehr bekannt ist. Das Trommel - Locken leitet über zum eigentlich "Großen Zapfenstreich" der vom gesamten Musikkorps mit Schwung intoniert wird. Daran schließen sich die "Drei Posten" eine Abfolge von Trommel-. Pfeifen-, und Hornsignale, die im Ursprung auf die Verständigungszeichen der zur Nacht aufgestellten Wachposten zurückgeht, an.

Das "Zeichen zum Gebet" ("Helm ab") bereitet den Höhepunkt der Feier vor, den Choral "Ich bete an die Macht der Liebe" . Er ist ein Gebet von tiefer Bedeutung; den hier beugt sich die Armee, der Inbegriff der weltlichen Macht in Demut vor der göttlichen Macht der Versöhnung und des Gewissens, von deren Gnade sich die preußischen Könige abhängig wussten. Angeblich soll der preußische König Friederich Wilhelm der III. das Gebet in einem russischen Lager gehört und dann befohlen haben es in der preußischen Armee einzuführen. Seine persönliche religiöse Einstellung und die Erlebnisse in verschiedenen Soldatenlagern ausländischer Armeen führte im Jahre 1813 zur Einführung eines Gebetes bzw. religiösen Abendliedes zum preußischen Zapfenstreich.

Mit dem Ruf nach dem Gebet endete der "Große Zapfenstreich" in seiner originalen Form. Seit 1871 klang er mit der Kaiserhymne aus. Seit dem Ende der Nazidiktatur beschließt das Deutschlandlied mit der Strophe "Einigkeit und Recht und Freiheit" die soldatische Feier.

Der Zapfenstreich des Allgemeinen Schützenvereins Lette e.V. findet in der Regel immer Sonntags und Montags jeweils gegen 20:30 Uhr am Ehrenmalplatz in Lette statt.

 

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21.06.2012